Kirchspiel Tanna - Schilbach

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Predigt am 11. Sonntag nach Trintatis (23.8.2020)

Text: Lukas 18, 9-14

Jesus sagte aber zu einigen, die sich anmaßten, fromm zu sein, und verachteten die andern, dies Gleichnis: Es gingen zwei Menschen hinauf in den Tempel, um zu beten, der eine ein Pharisäer, der andere ein Zöllner. Der Pharisäer stand für sich und betete so: Ich danke dir, Gott, daß ich nicht bin wie die andern Leute, Räuber, Betrüger, Ehebrecher oder auch wie dieser Zöllner. Ich faste zweimal in der Woche und gebe den Zehnten von allem, was ich einnehme. Der Zöllner aber stand ferne, wollte auch die Augen nicht aufheben zum Himmel, sondern schlug an seine Brust und sprach: Gott, sei mir Sünder gnädig! Ich sage euch: Dieser ging gerechtfertigt hinab in sein Haus, nicht jener. Denn wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt werden; und wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöht werden.

 

Liebe Schwestern und Brüder! Sehr gerne redet Jesus in Gleichnisgeschichten zu seinen Zuhörern, auch hier. Was Jesus hier erzählt war zur damaligen Zeit ein wirklicher Skandal. Die Pharisäer waren Männer, die ihren Glauben sehr ernst genommen haben und die ihn auch gelebt haben. Fasten und Beten – nach den Geboten Gottes leben,- den Zehnten Teil für Gott geben, und noch viele andere geistliche Übungen gehörten selbstverständlich zu ihrem Glaubensleben dazu. Darum waren sie für die Menschen in Israel tatsächlich Vorbilder des Glaubens. Und es war durchaus nicht so, dass alle Pharisäer selbstgerecht und überheblich daherkamen.  Dieses negative Image bekamen sie erst viel später. Aber es gab eben auch da damals solche und solche… Wenn wir von jemand sagen: „Der ist ein Pharisäer!“ dann meinen wir tatsächlich, dass er unglaublich selbstgerecht daherkommt. Und so rückt uns der Pharisäer doch ganz schön nah auf den Leib – und wir erkennen schmerzvoll, dass uns Jesus in der Person dieses Pharisäers einen Spiegel vorhält.

Denn auch heute hören wir solche vorwurfsvollen Worte: „Was, der will ein Christ sein… Schau dir doch mal sein Leben an.“ Heute ist das sicher, wie damals auch,- durchaus nicht immer berechtigt. Darum sagt Jesus  auch: „Lebt als Kinder des Lichts…“ D.h. lebt so, dass ihr das Licht nicht scheuen müsst, wenn es auf euer Leben fällt. Lebt so, dass euer Glauben an eurem Leben ablesbar ist.   Das ist die eine Seite.

Und der Zöllner? Auch die Zöllner gehörten zum Volk der Juden dazu. Aber sie waren meist Spitzel, die mit der Besatzungsmacht zusammenarbeiteten, die ihre eigenen Landsleute verrieten, die sie finanziell betrogen und ausgenommen haben. Und deshalb war es in den Augen gläubiger Menschen damals der Gipfel der Unverschämtheit, wenn Jesus am Ende des Gleichnisses sagte:Dieser ging gerechtfertigt hinab in sein Haus, nicht jener. Aber auch auf der Seite des bußfertigen Zöllners liegen so einige Gefahren, die wir uns bewusst machen wollen heute Morgen. Ein kurzer Vers von Eugen Roth kann uns das Verstehen da etwas erleichtern. Er schrieb zu dieser Geschichte folgenden Vers: „Ein Mensch betrachtete einst näher die Fabel von dem Pharisäer, der Gott gedankt voll Heuchelei dafür, dass er kein Zöllner sei. Wie gut, rief er in eitlem Sinn, dass ich kein Pharisäer bin!“   „Danke Gott, dass ich kein Pharisäer bin.“Was Eugen Roth in seinem kleinen Vers andeuten will ist eine Gefahr, in der wir leider auch immer wieder stehen als Christen. Ich überspitze es bewusst einmal etwas. „Wie gut, dass ich mir so bewusst bin, dass ich ein Sünder bin. Ich weiß ja, dass ich nur aus der Vergebung lebe. Ach wenn doch dieser „Pharisäer“ (seinen Namen kennen wir vielleicht) – wenn er das auch endlich erkennen würde.“ Ja, Stolz und Hochmut sind gefährliche Gifte in dieser Welt – und auch wir Christen sind durchaus nicht immun dagegen. Wenn ich sehe, wie wir als Christen manchmal miteinander umgehen, dann beschleicht mich ein ziemlich ungutes Gefühl.  Hochmut kommt vor dem Fall, das gilt für den Zöllner genauso, wie für den Pharisäer. Und es kann erschrecken, wenn ich entdecke, dass von beiden etwas in mir steckt. Das Schlimme ist, dass gegen so manches Leiden ein Kraut gewachsen ist auf Erden. Aber gegen Stolz und Hochmut…? So sehr oft geschieht es nicht gerade, dass Menschen in die Seelsorge kommen, weil sie mit ihrem Hochmut und mit ihrem Stolz Probleme haben. Viele Themen werden ja heute in den Talkshows behandelt, aber ich habe noch von keiner gehört, die den Titel trug: „Ich habe ein Problem mit Selbstgefälligkeit.“    Das Problem dabei ist: wo Stolz, Selbstgefälligkeit und Überheblichkeit von uns Besitz ergreifen, da sind wir uns dessen in den meisten Fällen überhaupt nicht bewusst. Unser Problem ist dann, dass wir gar nicht erkennen, dass wir ein Problem haben. Aber was kann man da machen? Was kann man dagegen tun? 

Ihr Lieben, Jesus tut etwas dagegen mit dieser kleinen Geschichte. Er hält uns in der Person des Pharisäers einen Spiegel vor Augen, der uns deutlich macht: „Schau mal genau hin, das bist du! Erkennst du dich wieder? Siehst du die Gefahr, in der du dich befindest?“ Nein, nicht dass er fromm ist und seinen Glauben ernst nimmt, ist das Problem des Pharisäers. Vielmehr kann er darin für mich sogar zu einem echten Vorbild werden, dem ich nacheifern möchte. Es ist doch wunderbar, wenn ich Gott danke für all das Gute, das ER an mir getan hat, dass er vielleicht auch durch mich bewirken konnte. Das Problem ist auch nicht, dass ich mich klar auf Gottes Seite stelle und mich distanziere von denen, die Gott ablehnen und ihn leugnen. 

Gefährlich wird es erst dort, wo mein Blick zu Gott als dem Geber aller guten Gaben, wegfällt und ich am Ende nur noch auf mich selber blicke.  

  • Gefährlich wird es, wenn ich nicht mehr mit leeren, sondern mit vollen Händen vor Gott stehe.
  • Gefährlich wird es auch, wo die Begegnung mit Gott mich nicht mehr verändert, sondern wenn ich danach genauso bin wie vorher. Dann geht es mir im Grunde nur darum, dass Gott mir bestätigen soll, was ich sowieso schon weiß, dass ich richtig liege, mit dem, was ich denke, sage, tue. Aber bitte, Gott, kritisiere mich nicht, denn verändern will ich mich nicht wirklich.

Und warum wird nun der Zöllner von Jesus gerecht gesprochen?

Er wird deshalb gerecht gesprochen, weil er

- seine aussichtslose Lage vor Gott erkannt hat, und

- weil er sieauch anerkannt hat.

Da war nicht Beschönigendes mehr, kein Versuch, sich zu entschuldigen. Wer könnte auch sich selbst „ent-schuldigen“ – die Schuld ungeschehen machen. Das kann nur JESUS, weil ER selber für sie bezahlt hat mit seinem Blut am Kreuz auf Golgatha. Nein der Zöllner schiebt die Schuld nicht auf die Verhältnisse. Er sagt auch nicht: „Ich konnte doch nicht anders handeln.“ Er kommt vor Gott als einer, der nichts, absolut nichts vorzuweisen hat. Er kommt mit leeren Händen. Und das ist das entscheidend andere.  Er weiß, dass er ganz auf Gottes Erbarmen angewiesen ist. In seiner Verzweiflung wirft er sich ganz in Gottes Arme und unterstellt sich seinem Urteil: „Gott sei mir Sünder gnädig.“   

Wenn wir heute bitten: „Gott sei mir Sünder gnädig!“ – dann wissen wir, was der Zöllner damals noch nicht wusste, dass Jesus für unsere Schuld am Kreuz sein Blut vergossen hat, dass er für uns gestorben ist.  Deshalb dichtete Paul Gerhard: „Der Grund, da ich mich gründe, ist Christus und sein Blut…“ Und das ist es, was uns die große Zuversicht schenkt, dass Gottes Tür weit offen steht für jeden, der so zu ihm kommt. Wer das erkannt hat, das er vor Gott nichts, absolut nichts vorzuweisen hat, der ist bei ihm willkommen, der ist gerecht gesprochen durch das Blut Jesu Christi. Und darum dürfen wir auch das Heilige Abendmahl feiern,- und es tatsächlich schmecken und sehen, wie freundlich und barmherzig der HERR ist.  Und,- was dazu kommt: Seine Gnade verändert mich, denn wer von JESUS gerechtfertigt wird, der wird auch durch ihn erneuert. „Gott sei mir Sünder gnädig!“ Damit fängt der Weg der Erneuerung und Umkehr an.  Das schenke Gott uns allen immer wieder neu, wenn er uns seinen heilsamen Spiegel vor Augen hält. AMEN

Herrnhuter Losungen

Tageslosung von Samstag, 28. November 2020
Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet.
Jesus spricht: Ich will euch nicht als Waisen zurücklassen; ich komme zu euch. Denn ich lebe, und ihr sollt auch leben.

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