Kirchspiel Tanna - Schilbach

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Predigt am 10. Sonntag nach Trinitatis 2020 (Israelsonntag)

(Text: Römer 11, 25-32)

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen

Damit ihr nicht überheblich werdet, liebe Brüder, möchte ich euch anvertrauen, was mir Gott offenbart hat. Ein Teil des jüdischen Volkes ist zwar blind für die Botschaft von Jesus Christus. Aber das wird nur so lange dauern, bis alle Heiden, die Gott dafür ausersehen hat, den Weg zu Christus gefunden haben. Danach wird ganz Israel gerettet, so wie es bei den Propheten heißt: «Aus Jerusalem wird der Retter kommen. Er wird Israel von seiner Gottlosigkeit bekehren. Und das ist der Bund, den ich mit ihnen schließe: Ich werde sie von ihren Sünden befreien.» Indem sie das Evangelium ablehnen, sind viele Juden zu Feinden Gottes geworden. Aber gerade dadurch wurde für euch der Weg zu Christus frei. Doch Gott hält seine Zusagen, und weil er ihre Vorväter erwählt hat, bleiben sie sein geliebtes Volk. Denn Gott fordert weder seine Gaben zurück, noch widerruft er seine Zusagen. Früher habt ihr als Heiden Gott nicht gehorcht. Aber weil die Juden Christus ablehnten, hat Gott euch seine Barmherzigkeit erfahren lassen. Jetzt wollen die Juden nicht glauben, daß Gott jedem Menschen in Christus barmherzig ist, obwohl sie es doch an euch sehen. Aber auch sie sollen jetzt Gottes Barmherzigkeit erfahren. Denn Gott hat alle Menschen - Juden wie Heiden - ihrem Unglauben überlassen, weil er allen seine Barmherzigkeit schenken will.

 

Liebe Schwestern und Brüder,

jeder von uns hat wohl so seine persönlichen Geheimnisse.   Geheimnisse können etwas Faszinierendes haben.  Und wem vertraut man sein Geheimnis an? Nur jemandem an, zu dem man echt Vertrauen hat. Auch Gott hat Geheimnisse. Und das erstaunliche ist, er vertraut uns seine Geheimnisse an. Was sagt das aus über unseren wunderbaren Gott. Dadurch bleiben sie aber trotzdem geheimnisvoll und letztlich unfassbar.  Heute Morgen geht es um das Geheimnis »Israel«. Wie kann es sein, dass ausgerechnet Gottes geliebtes, auserwähltes Volk Israel in seiner Mehrheit Jesus als den Messias ab­lehnt? Paulus verrät uns, dass Gott ihm dieses Geheimnis anvertraut hat. Das Geheimnis von Gottes Heilsplan.

Vielleicht fragen wir: Was hat das denn mit mir zu tun?
Paulus macht deutlich: Die Geschichte Israels ist ein Vorbild, ein Gleichnis für unser eigenes Leben als Christen, für unsern Glauben (siehe 1. Kor 10,11).
An Gottes Bund mit seinem Volk Israel können wir erkennen, dass dieser Gott ein absolut treuer Gott ist. Gott bleibt uns sogar dann treu, wenn wir Menschen ihm untreu werden.

Und das hat er an Israel zuerst der Welt gezeigt. Schon allein deshalb sollten wir uns für Gottes Plan mit Israel interessieren. Und eines dürfen wir niemals mehr vergessen: Wir Christen sind bleibend mit dem Volk Israel verbunden. Paulus sagt: Israel, das ist der Ölbaum, und die nicht­jüdischen Gläubigen - also wir -, sind wie so ein wilder Zweig, der später in den Ölbaum eingepfropft wurde - (Röm. 11,17ff.)   Darum ist es solcher Wahnsinn, wenn in früheren Zeiten die Kirche sich oft frech an die Stelle Israels gesetzt hat, sich selbst als das »neue Israel« gesehen hat und das alte Israel einfach als von Gott verworfen abgehakt hat. Aus diesem »Abhaken« konnten dann auch »Hakenkreuze« werden...
1.)Schmerz und Trauer

In Yad Vashem, der großen Holocaustgedenkstätte in Jerusalem, sieht man u.a. ein gro­ßes Schwarzweißfoto. (Einblenden) Irgend so ein bayerisches Dorf ist darauf. Und am Ortsein­gang ein riesiges Schild: »Juden sind hier unerwünscht« - und direkt daneben steht ein Kruzifix mit dem gekreuzigten Jesus. Darüber auch die Inschrift: »INRI«. D.h. »Jesus von Nazareth, König der Juden.«  Wie blind müssen Menschen sein, dass sie nicht merken, wie sie mit dem Hass auf die Juden auch den Juden Jesus ausschließen aus ihrem Herzen! Und heute? Tut es uns weh, wenn Antise­mitismus wieder immer stärker wird - in Worten und Taten?  Denke wir nur an die Synagoge in Halle – letztes Jahr. In diesen Tagen läuft der Prozess gegen den Attentäter, der selber wahrscheinlich noch nie in seinem Leben Kontakt hatte jüdischen Menschen. Wie traurig ist das???

Für Paulus ist es der größte Schmerz, dass sein eigenes Volk zum überwiegenden Teil JESUS, als den Messias und ihren wahren König nicht erkannte.
So wie Paulus um sein Volk trauert, dass es Jesus ablehnt, so bist du vielleicht traurig, dass deine eigene Familie noch nicht zum Glauben gefunden hat, dein Ehemann, deine Kinder oder deine besten Freunde. Oder dass sie sich vom Glauben entfernt ha­ben. Manchmal ist das unbegreiflich für uns… Doch dann erinnert sich Paulus an Gottes große Liebe und Treue zu seinem Volk.

2.Alles aus Liebe: Gott gibt uns nicht auf

Indem sie das Evangelium ablehnen, sind viele Juden zu Feinden Gottes geworden. Aber gerade dadurch wurde für euch der Weg zu Christus frei. Gott fordert weder seine Gaben zurück, noch widerruft er seine Zusagen. (Röm. 11,28f.)  Irgendwie erschreckend, oder!! Wieso sind Juden »Feinde Gottes«?
Achtung: Dieses Wort wurde so oft missbraucht – um Judenhass und Verfolgung zu rechtfertigen.
Wie schlimm - und wie dumm ist das! Denn wenn wir bei Paulus genau lesen, dann ist klar: Nach dem Evangelium sind alle Menschen ohne Jesus Christus »Feinde Gottes«. Nicht etwa, weil Gott uns nicht leiden kann, sondern weil die Sünde uns von Gott trennt. Der Mensch ist von Natur aus immer zuerst auf sich selbst fixiert und nicht auf Gott. So viele meinen auch heute, dass sie keinen Erlöser brauchen. Und das ist letztlich Feindschaft gegen Gott. Trotzdem – wenn der Mensch sich auch noch so rebellisch gegen Gott erhebt, kann das Gottes Liebe zu uns nicht aufheben. Weder seine Liebe zu Israel noch seine Liebe zu uns. Das ist das Geheimnis der Liebe Gottes! Und diese unermessliche Liebe Gottes kann man eben besonders gut an seiner Liebe zu Israel ablesen, dem Volk, das er sich erwählt hat.

Wenn wir im AT lesen, wie störrisch und ungehorsam Gottes Volk sich immer wieder verhalten hat, wie oft sie - wie verblendet, lieber in ihr eigenes Verderben gelaufen sind,- dann können wir einfach nur staunen, dass Gott trotz allem in großer Treue an ihnen festgehalten hat,- bis heute. 
Und auch uns gibt Gott nicht auf, niemals.  Auch nicht alle unsere Lieben, die Gott noch ablehnen, oder gleichgültig sind ihm gegenüber. Das macht mich oft so dankbar und gibt mir immer wieder Hoffnung. Und das macht mir Mut, ausdauernd weiter für sie zu beten – übrigens auch weiter für Israel zu beten.
3.Lobpreis Gottes: Staunen über seine Wege
Und darum schließt Paulus diesen Abschnitt auch mit einem gewaltigen Lobpreis und ruft staunend aus: Wie groß ist doch unser Gott! Wie unendlich sein Reichtum, seine Weisheit, wie tief seine Gedanken. Wie unbegreiflich für uns seine Entscheidungen und seine Pläne! (Röm. 11,33).
Ja, so ganz verstehen werden wir dieses Geheimnis wohl nie, so lange wir noch in dieser Welt sind.

So traurig es ist, dass Israel in seiner Mehrheit Jesus noch nicht erkennt, so kann Gott auch dieses Unglück zum Guten wenden. Er nutzt es dazu, dass das Evangelium zu allen anderen Völkern dringt und die ganze Welt erreicht wird, wie es Jesus selbst angekündigt hat. Das ist typisch Gott. Er kann aus allem noch etwas Gutes machen. So wie Dietrich Bonhoeffer es sagt: »Ich glaube, dass Gott aus allem, auch aus dem Bösesten, Gutes entstehen lassen kann und will.«  
Das macht Mut, auch da, wo wir vieles nicht verstehen. Auch da, wo Dinge in unserem Leben ganz anders laufen als geplant…  

Gott kann alles – auch das Schwierigste - auf geheimnisvolle Weise trotz­dem zum Guten führen!

Und Israel selbst? Auch das gehört zum geheimnisvollen Heilsplan Gottes: Zuletzt heißt es, wird einmal »Ganz Israel errettet werden.« Das heißt natürlich auch, dass sie alle JESUS zuletzt als ihren Messias erkennen werden. Denn das Wort Gottes sagt:»Es ist in keinem andern das Heil!« (Apg 4,12). Am Ende der Zeiten, wenn Jesus Christus wiederkommt, wird auch Israel Jesus als seinen Messias erkennen und annehmen und darum gerettet werden.

4. Mehr, als du glaubst: Gottes großes Erbarmen

Dass Israel zum Glauben an Jesus findet, ist reine Barmherzigkeit Gottes. Doch genauso ist es auch bei jedem anderen Menschen, der den Glauben entdeckt - auch bei jedem von uns: es ist Gottes Geschenk, seine Barmherzigkeit. Und so gibt es absolut keinen Grund, uns über Israel erheben, wie es die Kirche leider Jahrhun­derte lang getan hat. Denn wir alle – Juden und Christen sind angewiesen auf Gottes Barmherzigkeit.
Ohne Glauben geht's nicht! Aber Glaube - ist nicht unsere eigene Leistung. Gottes Erbarmen über uns alle ist es, wenn wir glauben können! Und wenn du schon „Ja“ gesagt hast zu Gott, dann war das nur möglich, weil Gott zuerst „Ja“ gesagt hat zu dir. Das gilt – für Juden und Christen in gleicher Weise. Er selber bringt Juden und Heiden zu sich nach Hause.  Auf seine Weise. Geheimnisvoll!  Darüber können wir uns einfach nur freuen!  Übrigens: Ein kleines Geheimnis ist auch in unseren vier Überschriften ver­steckt.

Die Anfangsbuchstaben  - ergeben das schöne Wort »Schalom«. Das heißt nicht nur Frieden, es ist im Hebräischen viel umfassender gemeint: Es heißt Heil und Heilwerden. Es heißt: Ganz werden. Es heißt Vollendung. Das ist das große Ziel - Gottes geheimnisvoller Heilsplan für seine Kinder aus Juden und aus allen Völkern: Schalom!        AMEN

Herrnhuter Losungen

Tageslosung von Freitag, 27. November 2020
Herr, vor dir liegt all mein Sehnen, und mein Seufzen ist dir nicht verborgen.
Wisst, dass euer Glaube, wenn er bewährt ist, Geduld wirkt.

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