Kirchspiel Tanna - Schilbach

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Predigt am 9. Sonntag nach Trinitatis  (9.8.2020)

Text: Jeremia 1, 4-10

Und des HERRN Wort geschah zu mir: Ich kannte dich, ehe ich dich im Mutterleibe bereitete, und sonderte dich aus, ehe du von der Mutter geboren wurdest, und bestellte dich zum Propheten für die Völker. Ich aber sprach: Ach, Herr HERR, ich tauge nicht zu predigen; denn ich bin zu jung. Der HERR sprach aber zu mir: Sage nicht: »Ich bin zu jung«, sondern du sollst gehen, wohin ich dich sende, und predigen alles, was ich dir gebiete. Fürchte dich nicht vor ihnen; denn ich bin bei dir und will dich erretten, spricht der HERR. Und der HERR streckte seine Hand aus und rührte meinen Mund an und sprach zu mir: Siehe, ich lege meine Worte in deinen Mund. Siehe, ich setze dich heute über Völker und Königreiche, daß du ausreißen und einreißen, zerstören und verderben sollst und bauen und pflanzen.

 

Liebe Gemeinde!

Gewaltig klingen die Worte „…des Herrn Wort geschah zu mir!“ Worte können etwas bewegen, etwas in Gang setzen – zum Guten oder auch zum Bösen – das wissen wir alle. Das erleben wir täglich im Kleinen in der Familie und im Großen in der Politik, bzw. in den Medien. Doch wenn Gottes Wort ein Menschenherz trifft, so wie es hier bei Jeremia geschieht, dann ist das etwas unvergleichlich anderes. Wenn Martin Luther übersetzt „…des Herrn Wort geschah zu mir!“dann klingt darin mit: Diesem Wort kann sich niemand entziehen – es trifft mitten ins Herz und beginnt augenblicklich zu wirken, es geschieht. (So wie eine Naturkatastrophe geschieht?? Oder die Exlosion in Beirut)

Ähnlich gewaltig klingt es einige Jahrhunderte später, als Petrus, vom Geist Gottes bewegt, zu Pfingsten das Wort Gottes predigt zu den versammelten Menschen. Und dann heißt es da „…es ging ihnen durchs Herz und sie riefen:…was sollen wir tun? “!
Ja, es stimmt: Wenn Gottes Wort dich trifft, dann fordert es dich heraus, es erwartet eine Entscheidung – denn es will in dein Leben eingreifen und dich verändern. Gottes Wort hat schöpferische Kraft, denn er ist der Schöpfer des Universums.  Darum steht schon am Anfang der Bibel in der Schöpfungsgeschichte:
„Gott sprach: Es werde…  und es ward…“
„Ich (er-)kannte dich, ehe ich dich im Mutterleibe bereitete, und sonderte dich aus, ehe du von der Mutter geboren wurdest, und bestellte dich zum Propheten für die Völker.“   „Ich erkannte dich…“ sagt Gott.   
Kennen wir uns? Ja, ich kenne viele von euch mit Namen und von einigen weiß ich auch noch einiges mehr. Und ich vermute, die meisten kennen meinen Namen – und manche wissen vielleicht auch so einiges mehr von mir.  Aber „Kennen“ ?? Ist das schon “Kennen“? Wie oft haben wir es schon erlebt, dass wir meinten, jemanden gut zu kennen und dann…!  Dann ist manchmal die Enttäuschung groß… . Und auch wir selbst haben sicher so manche Seite in unserem Leben, in unserer Biographie, von der wir nicht so gerne möchten, dass andere sie kennen.  Jeder hat wohl so einen wunden Punkt / seinen blinden Fleck.    

Wenn Gott sagt, „ich er-(kannte dich), dann ist ein völlig anderes „Kennen“ gemeint.  Das hebräische Wort im Urtext – deutet die tiefste und innigste Beziehung an, die menschliche Sprache überhaupt ausdrücken kann.   „Ich (er-)kannte dich, ehe ich dich im Mutterleibe bereitete…“  Welche Liebe schwingt in diesen gewaltigen Worten mit. Gott, der Schöpfer sagt zu Jeremia: Bevor du gezeugt wurdest, ja bevor deine Eltern überhaupt an dich gedacht haben,- kannte ich dich schon und wusste, dass du kommen wirst – und ich habe dich gewollt, weil ich einen wunderbaren Plan für dein Leben habe. Deshalb habe ich dich ins Leben gerufen.  Auch wenn Gottes Plan für Jeremias Leben, ein ganz besonderer und einzigartiger Plan war, so gilt das doch genauso auch für jeden von uns:  „Ich (er-)kannte dich, ehe ich dich im Mutterleibe bereitete,…und ich habe dich gewollt, weil ich einen wunderbaren Plan für dein Leben habe.
Ja, Gott hat einen Plan für dich!  Gott hat auch dich ausgesondert,- für sich und sein wunderbares Reich. Und dieser Gott liebt dich und mich mit unbegreiflicher Liebe.  Dein Schöpfer, der dich viel mehr liebt, als ein Mensch dich jemals lieben kann,- der will, dass du ihm vertraust für dein Leben.
Das ist keine leichte Entscheidung, ganz sicher nicht. Aber es ist die wichtigste deines Lebens! 
Als Jeremia, er war damals erst ca. 20 Jahre alt, hörte, was für einen Auftrag Gott für ihn hatte,- da sträubte sich alles in ihm. Er wollte kein Prophet sein, er fühlte sich überhaupt nicht in der Lage, diesen Auftrag auszuführen. Jeremia ahnte vielleicht, was es bedeutete, seinen Landsleuten Gottes Wort anzusagen.  Es war eine gottlose Zeit damals, das Volk – und ihm voran der König und alle Machthaber, selbst die Priester Gottes im Tempel,- alle waren von Gott abgefallen,- suchten ihre Sicherheit bei falschen Götzen und fremden Mächten – aber nicht bei dem lebendigen Gott. Überall im Lande waren Götzenbilder aufgestellt, Gottes Gebote wurden in den Dreck getreten. Unterdrückung und Unrecht – Bosheit und Gewalt waren an der Tagesordnung.  Es war also - ganz ähnlich wie heute.
„Herr, ich bin zu jung!“   Das ist nichts für mich, das kann ich nicht. Ich bin nicht mutig genug, unerfahren im Reden. Doch Gott geht gar nicht ein auf seinen Einwand: Sage nicht: »Ich bin zu jung«, sondern du sollst gehen, wohin ich dich sende, und predigen alles, was ich dir gebiete. All das, was du aufgezählt hast, ist kein Hinderungsgrund. Du sollst ja gar nicht eine eigene Predigt schreiben, du sollst auch keine Pläne machen, wie du vorgehen sollst. Das Einzige, was du tun sollst ist: …du sollst gehen, wohin ich dich sende, und predigen alles, was ich dir gebiete.     Aber das ist es ja gerade, da liegt ja das Problem; wenn niemand dieses Wort hören will.

Wenn wir heute dieses Berufungswort an Jeremia hören,- sind wir nicht weniger gefragt. Seit unserer Taufe steht der Name dieses dreieinigen Gottes über unserem Leben. Unser Leben gehört nicht mehr uns selbst, sondern Gott. Er hat uns mit Gaben ausgestattet,- und er will, dass wir sie entdecken und einsetzen zu seiner Ehre und für seine Gemeinde. Und auch da geht es uns oft schon ähnlich, wie Jeremia, wenn wir abwehren und sagen: „Herr, ich nicht… - ich bin zu jung oder zu alt,- zu unsicher oder zu beschäftigt,- zu müde oder zu unbegabt.“  Prüfen wir uns einmal selbst, was unsere Gründe sind, warum wir oft so wenig aktiv werden!     

Natürlich ist nicht jeder zum Propheten berufen,- auch nicht jeder zum Pfarrer. Aber es gibt so viele Gaben, die Gott in uns hineingelegt hat, damit wir ihn ehren mit unserem Leben. Da ist zum Bsp. die Gabe des „Zuhörens“. Wie viele Menschen warten auch in unserer Gemeinde darauf, dass sich endlich einmal jemand Zeit nimmt und ihnen zuhört. Kranke warten darauf, dass sie besucht werden, Traurige warten auf jemanden, der sie aufrichtet, der sie tröstet. Und dann ist da die Gabe des Gebets. Wie viele Menschen brauchen unsere Fürbitte und sehnen sich danach, dass jemand für sie eintritt vor Gott. Selbst Menschen, die Gott gar nicht kennen,- horchen auf, wenn wir ihnen sagen: Ich bete für dich! (Natürlich sollten wir das nur sagen, wenn wir es dann auch tun!!) Gerade auch unsere Kinder / Enkel brauchen es so sehr, dass wir für sie und mit ihnen beten, denn sie leben in einer Welt, die Gott nicht mehr sucht und nicht mehr nach ihm fragt, ganz ähnlich wie damals bei Jeremia. Je mehr wir darauf achten, welche Gaben Gott auch in unser Leben hineingelegt hat, desto mehr kann Gott auch seinen Plan für unser Leben verwirklichen und uns zeigen, was er mit uns vorhat. Wichtig ist, dass wir ihm unser Leben anvertraut haben und dass wir unserem Schöpfer zutrauen, dass er uns besser kennt, als wir uns selbst.  

Natürlich müssen wir wissen – und gerade Jeremia hat das unter Schmerzen erfahren müssen – wer sich klar auf Gottes Seite stellt, der setzt sich auch der Kritik und dem Widerstand derer aus, die das nicht verstehen oder verstehen wollen. Das kann manchmal an die Substanz gehen, besonders wenn es Menschen sind, die einem nahestehen und wichtig sind.   Jeremia hat das hautnah erleben müssen.  Aber über all der Angst und Trauer, über all der Verzagtheit und Mutlosigkeit seines Lebens, steht die Zusage Gottes: „Fürchte dich nicht vor ihnen, denn ich bin mit dir und will dich erretten...“   Nein, Gott sagt nicht, dass er alle Schwierigkeiten wegnehmen wird,- aber er sagt klar und deutlich:
Ich bin mit dir!!  D.h. wer gegen dich kämpft, der kämpft auch gegen mich. Du bist nicht allein – der lebendige Gott ist an deiner Seite. Gefahren, Nöte, Probleme – Ängste und Zweifel,- Enttäuschungen,- all das wird nicht ausbleiben, wenn du mir folgst – aber, wie tief du auch fällst – ich bin da, um dich zu retten und herauszuziehen.  Vertraue mir.       Amen

Herrnhuter Losungen

Tageslosung von Samstag, 28. November 2020
Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet.
Jesus spricht: Ich will euch nicht als Waisen zurücklassen; ich komme zu euch. Denn ich lebe, und ihr sollt auch leben.

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