Kirchspiel Tanna - Schilbach

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Predigt am 7. Sonntag nach Trinitatis – 14.7.2020
Hebräer 13, 1-2

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen.

Den Predigttext für diesen Sonntag steht im Hebräerbrief, im 13. Kapitel.  Ich lese die Verse 1+2…
Liebt einander mit aufrichtiger Liebe. Vergesst nicht, Fremden Gastfreundschaft zu erweisen, denn auf diese Weise haben einige Engel beherbergt, ohne es zu merken!
Liebe Schwestern und Brüder,
ja, alles beginnt mit der Liebe…  Nicht umsonst sagt der Apostel Paulus in 1. Korinther 13,- dass die Liebe die größte Geistesgabe ist. Sie ist Gottes Geschenk an uns. Aus dieser Liebe heraus, schenkt Gott uns ein neues, verändertes Herz.  Für heute Morgen möchte ich mich in der Predigt auf den zweiten Vers beschränken: Vergesst nicht, Fremden Gastfreundschaft zu erweisen, denn auf diese Weise haben einige Engel beherbergt, ohne es zu merken!
Das griechische Wort für Gastfreundschaft „Philonexia“ – bedeutet wörtlich: „Liebe zu den Fremden!“ Es geht also um die Liebe,- als die Antriebskraft – für echte Gastfreundschaft. Dass das manchmal gar nicht so einfach ist, das wissen wir. Das habe ich auch schon oft erlebt… Der Prophet Jesaja schreibt: Brich dem Hungrigen dein Brot, und die im Elend ohne Obdach sind, führe ins Haus! Jesaja 58, 7
Ich erinnere mich an eine Begebenheit kurz nach der Wende. Da klingelte es gegen Abend an unserer Pfarrhaustür. Draußen stand ein richtiger Landstreicher, so sah er aus. Ob wir einen Platz zum Schlafen für ihn hätten, für diese Nacht…  Na ja, da waren wir schon etwas skeptisch, mit unseren, damals vier Kindern im Haus… Die standen übrigens auch schon um uns herum, wollten sehen, wer das geklingelt hatte. Der Mann bemerkte unsere Skepsis natürlich und sagte: „Ach, es ist auch ganz egal, ich schlafe auch irgendwo im Keller…“ Wir sahen, wie die Augen unserer Kinder immer größer wurden, denn die kannten ja unseren kalten, dunklen Keller genau – und würden um nichts auf der Welt dort schlafen wollen. Das entspannte sich dann aber, als wir anboten, ihm ein Nachtlager im Gemeinderaum herzurichten. Vorher bekam noch etwas zu essen… und legte sich dann dort zur Ruhe. Soweit war alles gut,- für uns war es zwar keine so ganz ruhige Nacht. Aber unsere Unruhe war unbegründet… Am nächsten Tag zog er, ausgerüstet mit einem Proviantpaket – dankbar seines Weges.   Ob er ein heimlicher Engel war…? Das weiß ich nicht. Aber irgendwie hatte ich das Gefühl, dass wir das Richtige getan hatten. Im Laufe der Jahre hatten wir natürlich auch ganz andere Begegnungen mit Fremden an unserer Tür, die weit weniger erfreulich waren.
Gastfreundschaft – die Liebe zu den Fremden! Nicht immer ist das so ganz einfach, das gebe ich zu.  Wenn nicht die Liebe als Antriebskraft dahintersteht, dann entstehen vielleicht solche Sprichworte – im Blick auf die Gastfreundschaft: „Wenn die Gäst' wüßten, wie zuwider sie einem oft sind, es ließ' sich kein Mensch mehr einladen auf der Welt.“ (Johann Nepomuk Nestroy - Österreich).  „Wirst du irgendwo gut aufgenommen, musst du nicht gleich wiederkommen.“ (Deutsches Sprichwort).
Zu deutsch: Gastfreundschaft „JA“ – aber bitte nicht überstrapazieren. Alles in Maßen!!Eine heilige Pflicht ist die Gastfreundschaft in Indien. Da heißt es: „Selbst Feinden, die als Gäste zu uns kommen, muss die schuldige Gastfreundschaft erwiesen werden; denn der Baum beschattet mit seinen Blättern auch denjenigen, der ihn fällt“. 
Vergesst nicht, Fremden Gastfreundschaft zu erweisen, denn auf diese Weise haben einige Engel beherbergt, ohne es zu merken!

Vielleicht dachte der Schreiber des Hebräerbriefes an den Vater Abraham, der auch ganz plötzlich drei Fremde zu Besuch bekam… Sofort hieß er sie herzlich willkommen und eilte, um ihnen nach orientalischem Brauch, ein richtiges Festmahl zu bereiten. Gastfreundschaft ist bis heute im ganzen Nahen Osten und im Orient eine Selbstverständlichkeit.  Ja,- und bei Abraham stellte sich tatsächlich heraus, dass die drei Fremden, Engel waren,- Boten Gottes- denn nichts anderes sind Engel. Von ihnen erfuhr Abraham, dass Gott ihm übers Jahr den so lange versprochenen Sohn und Erben der großen Verheißung schenken würde. Sarah lachte, als sie das hörte, denn inzwischen waren sie beide schon alt geworden. Aber Gott kann…   und er erfüllt, was er verspricht,- ob wir es glauben oder nicht.

Und in der Bibel gibt es im AT und im NT viele Stellen, durch die uns Gott erinnert, wie wichtig und wertvoll es ihm ist, dass seine Kinder  „gastfreundlich“ sind,- im Herzen die Liebe zu den Fremden haben.  Und - so wie unser Verhalten als Eltern damals hoffentlich ein Vorbild war für unsere Kinder,- so werden wir immer wieder daran erinnert, dass Gott, unser Vater im Himmel, uns selber auch das beste Vorbild gibt…  Er – als der große Gastgeber, lädt uns alle an seinen Tisch. Wenn ich nur an die Geschichte von dem großen Hochzeitsmahl denke, wo die geladenen Gäste alle abgesagt hatten - mit teilweise sehr fadenscheinigen Gründen. Was tut der Gastgeber? Er schickt seine Leute los, überall an den Ecken und Zäunen einzuladen, wer auch immer da so rumhängt. Für jeden ist Platz,- jeder darf kommen…
Gott selber,- ER ist der große Gastgeber. Und auch wir sind eingeladen, jeder von uns. Wir sollen dabei sein, wenn einmal in Gottes Reich das große Festmahl beginnt. Und bis dahin schickt Gott uns hinaus, um alle einzuladen in die große Gemeinschaft der Kinder Gottes.  Er selber will uns dazu ausrüsten,- mit der Liebe im Herzen, zu den Fremden,- er will uns ausrüsten mit seinem Heiligen Geist, der uns Mut und Weisheit dazu schenkt. Er will uns helfen,- die Menschen,- alle Menschen mit Gottes Augen zu sehen, aus seinem Blickwinkel.

Bibelwort der Woche - Epheser 2, 19 – nach NEÜ - Übersetzung: So seid ihr also keine Fremden mehr, geduldete Ausländer, sondern ihr seid Mitbürger der Heiligen und gehört zur Familie Gottes.  Und als Losungswort dieses Tages aus Sprüche14, 31: „Wer sich des Armen erbarmt, der ehrt Gott!“

Und als Vorgeschmack dürfen wir schon jetzt und hier im Heiligen Abendmahl die wunderbare Gemeinschaft mit Gott erleben – durch Jesus Christus, der sich selbst – sein Leben hingegeben,  sich selbst verschenkt hat,- um uns dabeizuhaben bei dem großen Abendmahl.   AMEN

Herrnhuter Losungen

Tageslosung von Samstag, 28. November 2020
Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet.
Jesus spricht: Ich will euch nicht als Waisen zurücklassen; ich komme zu euch. Denn ich lebe, und ihr sollt auch leben.

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